Gummimatten, TPE oder Velours – welches Material fürs Auto?

Wer nach Gummimatten fürs Auto sucht, sucht meistens nicht nach Gummi. Gesucht ist die Matte, die Wasser hält, sich abspülen lässt und im Winter nicht bricht. Welches Material das heute am besten kann, hat sich in den letzten zehn Jahren verschoben – der Begriff im Suchfeld ist geblieben.

Gummi im wörtlichen Sinn

Klassische Gummimatten bestehen aus vulkanisiertem Kautschuk. Sie sind robust, halten Wasser zuverlässig und kosten wenig. Dafür sind sie schwer, sie riechen in der Sonne, und bei tiefen Temperaturen wird das Material steif – eine Matte, die man bei minus zehn Grad aus dem Auto nimmt, lässt sich schlechter ausklopfen als eine, die biegsam bleibt. Manche Gummimischungen hinterlassen auf hellem Fahrzeugteppich mit der Zeit Spuren.

TPE – warum es Gummi weitgehend abgelöst hat

TPE steht für thermoplastisches Elastomer. Es verhält sich im Gebrauch wie Gummi – biegsam, wasserdicht, rutschfest – lässt sich aber wie Kunststoff in eine Form spritzen. Das ist der entscheidende Punkt: Nur ein Material, das sich formen lässt, kann einem Fussraum in drei Dimensionen folgen.

Die praktischen Unterschiede im Alltag:

  • Geruchsfrei. TPE enthält keine Weichmacher, die ausdünsten. Ein neues Auto riecht nach einer TPE-Matte nicht anders als vorher.
  • Kältestabil. Das Material verhärtet nicht, wenn das Auto über Nacht draussen steht.
  • Leichter. Ein Mattensatz aus TPE wiegt spürbar weniger als derselbe Satz aus Gummi – merkbar, wenn man ihn zum Ausspülen heraushebt.
  • Recycelbar. Thermoplaste lassen sich einschmelzen und wiederverwenden.

Ehrlich bleibt: TPE fühlt sich unter dem Schuh nicht warm an. Wer den weichen Tritt eines Teppichs sucht, findet ihn hier nicht. Es ist eine Schutzmatte, kein Wohnzimmerboden.

Velours und Nadelfilz

Textilmatten sind das, was ab Werk im Auto liegt. Sie sehen gut aus, sie dämpfen Geräusche, und sie fühlen sich richtig an. Ihr Problem ist Wasser: Der Flor saugt sich voll, gibt die Feuchtigkeit nach unten an den Fahrzeugteppich weiter und trocknet im geschlossenen Auto tagelang nicht. Im Schweizer Winter kommt Streusalz dazu, das nach dem Trocknen als weisser Rand stehen bleibt.

Nadelfilz ist die günstige Variante desselben Prinzips – dünner, kürzerer Flor, gleiches Verhalten bei Nässe.

Sinnvoll sind Textilmatten dort, wo es trocken bleibt: als Sommermatte, in einem Fahrzeug, das in der Garage steht, oder im Fond eines Autos, in dem hinten selten jemand mit nassen Schuhen einsteigt.

PVC – die Matte, die man am Geruch erkennt

Ein grosser Teil der sehr günstigen Matten ist weder Gummi noch TPE, sondern Weich-PVC. Das Material ist billig und wasserdicht, verdankt seine Biegsamkeit aber Weichmachern, die mit der Zeit ausdünsten. Daher der typische Geruch in einem aufgeheizten Auto – und daher auch, dass eine alte PVC-Matte spröde wird: Was ausgedünstet ist, fehlt im Material.

Drei Anhaltspunkte beim Kauf, ohne Labor:

  • Der Geruch beim Auspacken. TPE riecht nach nichts. Alles andere riecht nach etwas.
  • Das Gewicht. Gummi ist für seine Grösse auffällig schwer.
  • Die Kante. Eine gespritzte Form hat einen sauber auslaufenden Rand in einem Stück. Eine gestanzte Matte hat eine Schnittkante.

Was der Winter in der Schweiz entscheidet

Zwischen November und März bringt jeder Einstieg drei Dinge ins Auto: Wasser, Split und Salz. Wasser trocknet. Split lässt sich ausklopfen. Salz ist das Problem – es kristallisiert im Teppichflor aus, zieht Feuchtigkeit an und arbeitet sich in die Fasern.

Gegen Salz hilft nur eine Oberfläche, von der man es abspülen kann, und ein Rand, der verhindert, dass die Salzlösung seitlich in den Teppich läuft. Das ist der Grund, warum wir ausschliesslich TPE mit umlaufend erhöhtem Rand führen – in der 3D-Ausführung mit hochgezogener Kante, in der 5D-Ausführung zusätzlich der Kontur des Fussraums folgend.

Kurz gegenübergestellt

  • Nässe und Salz: TPE vor Gummi, Textil deutlich dahinter.
  • Kälte: TPE bleibt biegsam, Gummi wird steif.
  • Geruch: TPE neutral, Gummi bemerkbar.
  • Passform in drei Dimensionen: nur mit formbarem Material, also TPE.
  • Trittgefühl und Optik: hier gewinnt Velours.
  • Reinigung: TPE und Gummi abspülen, Textil saugen und trocknen lassen.

Und im Kofferraum?

Dort gilt dasselbe Material, aber eine andere Frage: nicht Gummi oder Textil, sondern flache Matte oder hohe Wanne. Das klärt der Ratgeber Kofferraummatte oder Kofferraumwanne.

Welche Form es für Ihr Fahrzeug gibt, sehen Sie unter Automatten. Ob eine gefertigte Form überhaupt nötig ist, behandelt passgenau oder universal.

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